365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

Schwester Sabina

Es klopft an der Tür. Ein Schmäh verrät, dass es sich um Schwester Sabina handelt. Sabina ist eine starke, herzliche, witzige Frau und hat immer einen lässigen Spruch parat. Sie wohnt in der Nähe des Wilhelminenspitals und kommt ganzjährig mit dem Fahrrad zur Arbeit. Es sei denn es schüttet von allen Seiten. Sie ist generell immer und gern in Bewegung und findet ihren Ausgleichmit regelmäßigem Sport und Lesen.

Schwester Sabina ist 57 Jahre jung und arbeitet – sage und schreibe seit 1983 - als diplomierte Krankenschwester. Sie hat damals noch unter Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig im AKH gelernt – dort bereits auch auf der Onkologie. Sie hat schon so gut wie alle Krebsarten gesehen bzw. mit ihnen gearbeitet. 1990 wurde Univ.-Prof.Dr. Heinz Ludwig Leiter der 1. Medizinischen Abteilung im Wilhelminenspital und 1991 folgte ihm Sabina kurzerhand.

Motivation jeden Tag die Arbeit anzutreten, braucht sie nicht. Sie macht den Job sehr gern. Auch nachdem sie schon so viele Jahre und das ohne Unterbrechung als Krankenschwester arbeitet. Sie ist einfach sehr zufrieden mit der Arbeit.

Schon während der Krankenpflegeschule merkte sie, dass sie genau das arbeiten will. Ursprünglich wollte sie Ärztin oder Masseurin werden, aber der viele Lernstoff hat ihr nicht so getaugt.

Wie sie sagt: „Besser eine gute Krankenschwester als eine schlechte Ärztin.“

Getreu ihrem Lebensmotto: „Behandele die Menschen so, wie du gern selbst behandelt werden möchtest“, fühlt man sich in ihrer Gegenwart sehr wohl und gut aufgehoben. Sie hakt nach, wenn sie ein trauriges Gesicht sieht und kann auch gut Trost spenden. Sie lockert die Atmosphäre im Raum mit ihrem Humor und macht ihre Arbeit routiniert, mit Gründlichkeit und einfach sehr gut. Schwester Sabina hat in ihren 27 Arbeitsjahren schon viel erlebt:

„Man erlebt Gutes wie Schlechtes. Man muss lernen mit den erlebten Geschichten umzugehen; lernen damit zu leben. Sie werden Teil von einem selbst.“

Die eigene Abgrenzung hat Sabina einerseits in Psychoonkologieseminaren gelernt und andererseits durch die alltägliche Spitalrealität erlebt.

Am Wilhelminenspital schätzt sie, wie die meisten, das Pavillonsystem. Es ist familiärer und man kann mit dem betroffenen Menschen mehr mitgehen. Sie mag die Station auch sehr, weil sie gut strukturiert ist und insgesamt ruhig.

Wie den meisten nervt auch sie die Administration: Zunehmende Vorschriften sind nicht immer alltagstauglich, das Rundherum wird mühsamer, praxisuntauglicher, der Aufwand wird mehr und für die PatientInnen bleibt weniger Zeit - von der Coronasituation mal abgesehen.