365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

08 – Ode an den Körper

Liebes Leukämietagebuch

Mir geht es gut!

Ich fühle mich gut. Ich fühle mich gesund!

Ich habe eine akute Leukämie und es ging mir vor drei Wochen sehr schlecht, aber mein Wunderwerk Körper hat gut auf die Medikamente angesprochen. Ich kam mit 130.000 bösen Zellen pro Bluttropfen ins Spital und hatte bereits nach der ersten Kortisonverabreichnung 30.000 und Tag drauf unter 700 böse Zellen pro Bluttropfen.

Dank zwei Dosen gespendetem Thrombozyten (das sind die zur Blutstillung) sind auch meine Punkte auf den Beinen verschwunden und mein Körper tut sich wieder leichter Wunden zu heilen. Die vier Wochen alten Hämatome verschwinden!

Ich habe außerdem vier Beutel frisches Blut bekommen und bin seither wieder viel fitter, frischer und nicht mehr kurzatmig.

Ich bin sehr dankbar für die vielen neuen – guten – Mitbewohner und stolz auf meinen Körper, dass er auch die erste Chemo so gut verpackt hat. Klar ist mein Immunsystem im Keller und ich nun höchst empfindlich auf Infektionen und Pilze, aber ich passe auf mich und befolge was die Ärzte sagen.

An dieser Stelle möchte ich ganz besonders all jenen Menschen von Herzen danken, die fließig ihr Blut spenden gehen! Danke!! Ohne euch würde es mir nicht so gut gehen!

Die Phsyitherapeutin hat mir ein tägliches Ausdauertraining gestaltet und mit dem starte ich nun in den Tag,

denn Zellregenration braucht Bewegung!

Dass das stimmt, weiß ich spätestens seit der Erkrankung meiner Hände.

2012 habe ich mir meine Hände überarbeitet und leide seither unter dem Raynaud-Syndrom. Meine Variante der Krankheit wurde damals auch mit Unbeweglichkeit und Verkrampfung der Finger, sowie Schmerzen begeleitet. Als Folge der Schwere mussten mir sechs Wochen lang quasi fremde Menschen die Tür aufsperren. Ein Jahr hat es gebraucht, bis ich ein Häferl wieder mit einer Hand tragen konnte. Geholfen hat letztendlich der Sport. Das täglich Aufkurberln des Kreislaufs am Morgen weitete wieder meine Gefäße und brachte das Gefühl zurück. Ich habe die Krankheit gut unter Kontrolle und muss mittlerweile nur noch im Winter mehr aufpassen, wenn es kalt wird. Der regelmäßige Sport ist mir seither geblieben und ich merke, wenn ich mal eine Woche keinen Sport mache, dass mir vieles aus den Händen fällt.

Körper und Seele

Die letzten Tage Chemopause habe ich gut nutzen können, um auch mit meiner Seele nachzukommen. Die Ratio ist schnell, aber die Seele trappelt verträumt und langsam hinterher. Sorgen sind aufgekommen, Existenzängste, ich habe viel geweint, es raus gelassen und mich auch kurz von falschen Impulsen verunsichern und verängstigen lassen. Dann habe ich durchgeatmet, mich gesammelt, mit Kopfhörern auf dem Bett ganz laut Maria Callas gehört, Gänsehaut bekommen, mich gespürt und nach einer Atemmeditation wieder ganz zu mir gefunden. Die Sorgen habe ich von mir abgeschüttelt, genauso wie die schlechten Impulse. Es gibt keinen Grund für Sorgen. Im Moment geht es mir gut und das ist was zählt.

Ich bin gewappnet für die nächste Chemophase!