365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

02 – Diagnose: Krebs. WTF?

WTF? Ganz genau. 

Ich weiß nicht wann mein Körper angefangen hat Fehler zu produzieren. Im Oktober 2019 hatte ich bei der jährlichen Gesundenuntersuchung 1A-Werte.

Im Januar war ich verwundert über einen riesigen blauen Fleck nach einer Partynacht, denn so wild war sie eigentlich nicht gewesen.

Im Februar war ich verwundert, dass mein Tattoo diesmal nicht so flott heilte, wie sonst und die Haut dort bis dato leicht irritiert blieb.

Im Februar kam auch meine Regelblutung bereits nach 9 Tagen wieder – begleitet von Trommeln im Bauch und Trompeten im Kopf wie immer, aber diesmal noch extremer. Ich brauche einfach Urlaub, hab ich mir gedacht.

Anfang März hatte ich Urlaub und besuchte meine Schwester und Freunde in der alten Heimat Deutschland. Am Nacken erspürte ich einen kleinen Knubbel unter der Haut und dachte mir mit einer guten Massage und Wellness, würd das sicher auch vergehen.

 

März aus meinem Collage-Kalender – hier verarbeite ich die Dinge auf kreativen Wegen
10.03.20 | Dienstag

Zurück in Wien ging es auch nach zwei Tagen im Büro in die Corona-Home-Office-Isolation.  

Nach paar Tagen fiel mir auf, dass ich meine Treppen in die Wohnung (vierter Stock ohne Lift) nicht mehr so easy hochschoss, dachte mir aber es läge ganz einfach an der Isolation, dem ausgefallenen Fitnessstudio, in das ich sonst 3-4 Mal die Woche gegangen war und eben an der generellen Regungslosigkeit in Anbetracht der Covid-19-Situation.

Und ja: Wieder kam meine Regel viel zu früh und viel zu arg 😓😓😓

Die Migräne blieb gleich mehrere Tage, aber auch nichts neues. Hatte ich schon einmal, geht vorbei. Es ist halt so: Als Frau gehören körperliche Schmerzen zu deinem Leben, hab ich mir gedacht.

01.04.20 | Mittwoch

Diese Kopfschmerzen blieben und nervten. Sie waren zwar nicht mehr so „migränig“, dass ich nichts mehr machen konnte, aber täglich kamen sie wieder oder waren schon nach dem Aufstehen da. 

 

02.04.20 | Donnerstag

Bauchweh und Appetitlosigkeit kamen hinzu. Ich dachte so gehts nicht, sicher fehlt nur der Sport, zog meine Joggingschuhe an und lief los. Mah war ich schlapp...  Es war dann mehr spazieren, als joggen und zuhause angekommen hatte ich leichte Schmerzen in den Leisten. Vom Laufen wahrscheinlich, bin einfach nichts mehr gewohnt, hab ich mir gedacht.

Als ich dann die Lymphknoten dort ertastete und spürte, dass diese auch schon fester waren, taste ich mich an meinem Nacken weiter: Fingernagelgroße Murmeln unter der Haut. Hinter den Ohren erspürte ich nun auch kleine Knoten. Im Badezimmerspiegel konnte ich die Nackenhörner dann auch sehen und nicht nur spüren. 

 

04.04.20 | Samstag

Was zur Hölle sind das für rote Punkte auf meinen Knöcheln und Beinen? Die gehören nicht zu mir, soviel war klar. Jetzt reichte es mir. Ich wär Montag eh zum Arzt gegangen, hatte eh Urlaub genommen, wollte mich eh mal checken lassen, aber ich wollte auch endlich wissen was zum Geier in meinem Körper vorging, denn eigentlich ging’s mir nicht sooo schlecht, bis auf die vielen Tage Kopf- und Bauchweh. Ich tippte alle Symptome in die Health App „Ada“ ein und bekam, nach vielen Rückfragen zur Dauer und Intensität des jeweiligen Symptoms, vier mögliche Ergebnisse präsentiert: Drei von vier hatten etwas mit Leukamie zu tun, das vierte war die Vermutung auf Pfeifferisches Drüsenfieber. Ich hab mich nicht verrückt machen lassen und das Handy zur Seite gelegt. Wenn es wirklich so arg sein sollte, wird man es im Blut ja sehen. Kein Grund zur Panik. 

Natürlich hatte ich ein mulmiges Gefühl 😓

Ab diesem Zeitpunkt hab ich versucht mich auf schlechte Nachrichten einzustellen, an denen ich nichts würde ändern können.

06.04.20 | Montag

Konsultation des Arztes via Telefon. Alle Symptome noch einmal aufgelistet und am nächsten Tag sollte ich ins Labor zur Blutabnahme. 

 

07.04.20 | Dienstag

Morgens Blutabnahme und um 12 Uhr rief mich mein Arzt an und meinte ganz lapidar „Ja, ihre Blutwerte sind sehr schlecht. Sie haben wohl eine akute Leukämie. Suchen sie sich schnellstens ein Spital und leiten sie alles in die Wege.“

„Ey, ey Captain! Mach ich doch mit links.“ war nicht meine Antwort. 

Er war Arzt, ich Patientin, ich wollte mehr erfahren. 

 

ICH: „Was heißt das denn jetzt für mich?“ 

ARZT: „Ja sie müssen in die Ambulanz. Könnens sich aussuchen, ob AKH, Nord oder Wilhelminenspital und da wird dann alles in die Wege geleitet.“ 

ICH: „Ja, aber was meinen sie denn damit?“ 

ARZT: „Na wir können jetzt nix mehr tun für sie… in der Praxis. Holen sie sich die Überweisung fürs Spital ab. Sie müssen jetzt alles in die Wege leiten.“

ICH: „Ja, aber was bedeutet das denn genau???“ 

Ich war fertig und merkte, dass dieser Dialog ins nichts führte, außer zu mehr Stress in mir. Am anderen Ende hatte ich ganz offensichtlich einen "sozial eher verhaltenen" Typen sitzen, verabschiedete mich und stand erstmal nur da. 

WTF.