365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

03 – Der härteste Tag meines Lebens

Liebes Leukämietagebuch

Der 7.4.20 war bis dato der härteste Tag meines Lebens.

Am Vormittag hatte ich mit meinem Hausarzt telefoniert, der mir recht lapidar die Diagnose vermittelte. Ich musste erstmal nachdenken, was ich als nächstes tun sollte. Mit den Öffis ins Spital fahren? Jetzt in Coronazeiten als wohmögliche Angehörte der Höchstriskogruppe? Allein diesen Weg gehen?

Ich rief eine Freundin an. Sie hatte gerade Urlaub und ein Auto. Die Neuigkeiten waren auch für sie einfach extrem. Ich war froh, dass sie mich begleitete. Wir fuhren los und wenig später waren wir beim Wilhelmnenspital. Ich war so dankbar, dass sie dabei war bis wir vor dem Spital ankamen und sie wegen den Corona-Sicherheitsmaßnahme draußen bleiben musste. Also musste ich diesen Weg wohl alleine gehen.

Mir wurde zuerst die Temperatur gemessen und dass wurde ich in die Notaufnahme geschickt. Dort wartete zwei Stunden bis ich dran kam. Die Freundin wartete geduldig im Auto. Erneut wurde mir Blut abgenommen und zwei Ärztinnen erklärten mir behutsam, was mein Körper da gerade veranstaltete. Die Diagnose einer Leukämie wurde nochmals bestätigt.

Dann durfte auch kurz die Freundin sehen. Ein kurzer Austausch über die Fakten, organisatorisches, Tränen und eine feste Umarmung. Dann war ich wieder allein. Zwecks der Sicherheit wurde ich von den anderen wartenden Patienten separiert und wartete nun woanders.

Und wartete. Und wartete.

Und wurde für fünf Stunden vergessen.

Ich fühlte mich nicht mehr sicher, ich wollte heim, wenigstens noch einmal zuhause schlafen, einmal noch ein heißes Bad nehmen und die Katzen kuscheln.

Ich schrieb einen Brief und war drauf und dran zu gehen. Die Freundin hatte ich bereits alarmiert.

Dann plötzlich stand ein Arzt vor mir und entschuldigte sich vielmals und aus tiefster Seele für diesen Fehler. Er bat mich aufrichtig da zu bleiben. Ich blieb.

20 Minuten später wurde ich auf die 1. Med./Onkologie gebracht und bekam ein Zimmer. Eine Schwester kam und brachte mir ein Brot. Eine Oberärztin mit Assistenzarzt kamen, interviewten mich und nachdem ich das Beruhigungsmittel ablehnte und stattdessen nach einem Tequila fragte, organisierte mir der Assistenzarzt noch ein Stamperl Zwetschgenschnaps. Ich war sehr dankbar für diese nette Geste und noch nie schmeckte mir dieses scheußliche Zeug so gut wie an jenem Tag.

Ab jetzt war ich sicher. Zeit durchzuatmen.

Bald ging ich zu Bett, von schlafen war aber keine Spur.