365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

05 – Der erste Schock kreativ verarbeitet

Liebes Leukämietagebuch

Heute widme ich der künstlerischen Verarbeitung

Stück für Stück nehme ich den Raum im Klinikzimmer ein. Was soll ich machen: für die nächsten Wochen ist das hier schließlich mein neues Zuhause

und wenn etwas schön ist, dann ist es gleich auch etwas erträglicher.

Ich bin glücklich den Platz und auch derweil die Kraft zu haben meine Zeit im Spital kreativ und aktiv verbringen zu können.

Ich vermisse meine Lieben. Ohne sie hätte ich es hier garnicht erst schön. Ohne sie hätte ich hier nicht mal was zum Anziehen, meine Katzen nicht versorgt wissend, geschweige denn überhaupt frische Wäsche. Ich darf nicht raus, niemand darf rein, lediglich der Portier nimmt Dinge an, aber wehe es sind Lebensmittel dabei, dann gibt’s Theater! Und jeder Artikel muss abgezählt werden. Jeder! Ja, jeder Stift und jeder Schlüpfer. Corona nervt!

Corona spendet mir aber auch gleichzeitig den Trost, dass ich draußen nichts verpasse.

Die ersten Geschehnisse der letzten Tage konnte ich nun auch künstlerisch etwas verarbeiten. Entstanden ist das Bild:

Der erste Schock

"Der erste Schock"

Die ersten Tage der Diagnose zeigen ein hässliches Bild aus vielen Tränen, Schweiß und extrem vielen, komplexen Informationen, die alle gleichzeitig auf mich niederprasseln.

Peng! Peng! Peng! von allen Seiten und ich hatte keinerlei Chance dem ganzen nur annähernd auszuweichen. Gedanken kreisen gleichzeitig über Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und immer begleitet mich dieser extreme Durst.