365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

75 – Immer wieder was Neues

Liebes Leukämitagebuch 

Die Zeichen der Zeit

Ich bin hier wohl auch ein Sonderfall und eigentlich auf der „falschen“ Station, denn sie machen hier keine Konditionierungen/Chemos & Vorbereitungen, sondern eigentlich nur die Transplantationen. Aber jede Verlegung birgt Infektionsgefahr. Und die tägliche 23 Std Flüssigkeit und den langen Schlauch dazu werde ich wohl auch die ganze Zeit haben, weil jedes Umstecken eben auch Infektionsgefahr birgt. Heute haben sie sogar den Duschkopf gewechselt

Ich fühle mich sehr sicher und gut aufgehoben, alle sind sehr freundlich und lieb

- im Gegensatz zu denen, im Untergrund und ohne Fenster arbeitenden Menschen hier. Zum nachlesen hier, was sich im Juli 2020 im Untergrund des AKH abgespielt hat.

Bisher fühle ich mich auch sehr gut und gar nicht krank. Eure guten Gedanken an mich und die viele unterstützende Energie, die dadurch zu mir kommt, hilft sehr dabei!

Gestern war auch der letzte Tag der ersten Chemotherapie. In einigen Tagen folgt dann eine Weitere. Wann, was genau demnächst passiert scheitert allerdings an der schlechten Kommunikation hier. Ich kam heute, bei meinem Termin in der Radiologie, zu einem Gespräch mit einem Arzt, der bereits über Jahrzehnte im AKH arbeitet. Er klärte mich etwas über die Vorgänge im AKH auf: Es ist einfach ein steinaltes Gebäude, mit altmodischen Verkabelungen und natürlich nicht zur Gänze vernetzt. Wenn der Doktor seine Schicht antritt muss er sich erstmal in 6 verschiedene Systeme einwählen, um die Infos zu einem Patienten zu bekommen und dann sind sie nicht mal vollständig. Er meint es müsse ein ganz neues AKH her. 

Das AKH wurde 1974/75 eröffnet. Knapp 10 Jahre brauchte allein der Bau. 1969 wurde das Internet zwar schon erfunden, aber das war noch so unterentwickelt wie die Neandertaler im Gegensatz zum heutigen Homo sapiens.

Manche werden sich sicherlich noch an den Commodore 64 erinnern, der 1982 erfunden wurde und daran wie schnell/bzw. langsam dieser funktionierte.

Dass die Kommunikation hier im AKH sehr schlecht ist, ist also nur ein Zeichen der Zeit.

Und wahrscheinlich wiederhole ich mich, aber der Ausblick ist so genial! Bei jedem Wetter ein anderes Stadtbild und immer gibt es was anderes zu entdecken! Und dazu können Augen und Seele schön entspannen. Das Alte AKH ist von hier aus zu sehen und der Narrenturm auch, die Wienerbergcity, der zweite Bezirk mit dem Prater, die UNO-City, den Floridotower, die Hundertwasser-Verbrennungsanlage, die Votivkirche, den Stephansdom und und und … Wow :)