365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

70 – Planänderung

Liebes Leukämietagebuch

Planänderung!

Gestern hatte ich keine Kraft mehr ich wollte nicht mehr. Ich hatte das Gefühl es jedem Recht machen zu müssen.
„Kannst du bitte für mich gesund werden.“
Diese Bitte habe ich von vielen Menschen schon oft gehört. Natürlich möchte ich gesund werden; natürlich möchte ich mein Leben zurück!

Es ist jedoch schwer den größten Teil des Weges alleine gehen zu müssen. Keiner kann mir helfen. Jede bitte gesund zu werden, setzt mich auch ein wenig unter Druck. Irgendwie bin ich auch nur ein Mensch. Ich stecke zwar voller Kraft, voller Liebe und voller Zuversicht, aber auch ich habe meine Grenzen.

Ein neuer Kampf steht mir bevor, bzw. bin ich schon mittendrin. Der Krebs hat sich in meinen Nervenkanal und in meinem Kopf breitgemacht. Leukämie ist eben nicht gleich Leukämie und mein Fall der akuten Leukämie ist leider die aggressivste Form.

Die T-ALL-Zellen haben die Eigenschaften sich anzupassen, sich zu verändern und in jede kleinste Spalte hineinzukriechen.

Ich habe mich nie gefragt „warum ich?“, aber ich frage mich immer wieder, vor jeder neuen Herausforderung und jedem neuen Kampf: Was denn noch? Wo muss ich bitte noch alles durch? Ist es nicht mal langsam ausreichend? Was soll das Ganze? Wieso muss ich mich Kampf für Kampf wieder aufrichten und stärker werden, um den Krebs zu besiegen? Wieso muss immer wieder was Neues dazu kommen? Gibt es ein Ende der ganzen Sache?Und wenn ich rauskomme, wie wird es mir gehen? Wie komme ich raus? Kaputt, Lädiert, eingeschränkt, Behindert, Schwerstbehindert?
Stärker wohl möglich, aber nicht normal.
Der Arzt sagt in dieser Form der Therapie kann sehr vieles schief gehen. Wir werden sehen.

Ich weiß, um die vielen guten Gedanken, um mich von vielen lieben Menschen. Ich weiß, dass für mich gebetet wird Tag für Tag und Nacht Für Nacht: in Amerika, Europa – genauso wie in Äthiopien! Und natürlich Österreich. Freunde und Familie stehen mir mit ihren Gedanken bei. Ich hoffe all diese Gedanken und Gebete werden mich tragen können bis zum Ende; bis zu einem positiven Ende! Ich hoffe am Ende, wird es nur der Anfang meines Lebens sein.

Ich darf den Mut nicht verlieren.
Ich darf meine Kraft nicht verlieren.
Ich darf mich der Angst nicht hingeben.
Ich darf mal weinen.
Ich darf schimpfen.
Ich darf mal schlechte Gedanken haben, aber nur ganz kurz! Danach muss ich sie wieder runter schreiben, wegschmeißen, die Angst abschütteln, mich sammeln, die schlechte Energie zerstören und meinen Weg mit positiver Einstellung und festen Glauben an die Heilung weitergehen.
Ich bin bereit.