365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

65 – Fahrplan mit vielen Variablen

Liebes Leukämietagebuch⁣

Route unbekannt

Eigentlich dachte ich am Dienstag einen Fahrplan für die nächsten Wochen zu bekommen, aber der Fahrplan ist, dass es keinen fixen Fahrplan gibt. Jeder nächste Schritt wird bestimmt von meinen Knochenmark- bzw. den Blutwerten und vom Faktor wann ein passender Spender gefunden wird. Solange sich die Signale nicht im Blut widerspiegeln, bin ich noch ein relativ „freier“ Mensch.⁣ Ich hoffe dieser Zustand bleibt noch eine lange Weile, damit ich noch ausreichend Energie tanken kann.⁣

Der Zug ist fast da – Hauptbahnhof, Katowice, Polen. Die Vorfreude ist schon riesig. Endlich sehe meine Lieben wieder⁣! Hier kenne ich den Weg, hier weiß ich was mich erwartet, hier finde ich viel Liebe, viele glückliche Momente, neue Energie und kann für ein paar Tage meine Krankheit vergessen.

Wirklich lange konnte ich nicht bleiben. 7 Tage später wartet die nächste Biopsie des Knochenmarks auf mich. Ich habe meine Mama mit im Gepäck aus Polen. Es tut gut zu wissen, dass sie da ist, wenn ich von der OP heimkomme.

Die Biopsie selbst macht diesmal ein anderer Arzt. Er verfahrt anders und ich liege dabei auf der Seite. Die Einstichstelle empfinde ich als auffällig nah bei der Wirbelsäule. Genauso auffällig schlapp bin ich nach der Biopsie. Ich schlafe fast den ganzen Tag durch. Nächsten Tag habe ich starke Kopfschmerzen. Freitag werden sie heftiger und Übelkeit kommt hinzu. Nur im Liegen bekomme ich sie in einen aushaltbaren Zustand. Kaum dass ich sitze oder stehe, fühlt es sich so an als würde mein Kopf platzen. Weder ein Schluck Wasser, noch das Frühstück bleiben drin. Von der Früh bis am Abend verbringe ich die meiste Zeit im Liegen. Mama kümmert sich um alles, wozu ich nicht im Stande bin. Welch ein Glück, dass ich sie da habe!

Dieser Zustand bleibt bis Dienstag. Mittwoch fühlt es sich das erste Mal so an, als würde die Schmerztherapie auch wirklich greifen. Alles erinnert mich an das Liqourleck aus dem letzten Jahr. Die Symptome sind recht eindeutig und der Arzt bestätigt ebenfalls die Vermutung, dass dieser Zustand eine Nachwirkung der Knochenmarksbiopsie sei.