365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

57 – 365 Tage

Liebes Leukämietagebuch

365 Tage

Rückblickend sind die letzten 12 Monate recht schnell an mir vorbeigezogen. Am 7. April 2020 bekam ich die Diagnose akute Leukämie und musste seither im Spital bleiben. Es war der pinke Supervollmond. Das weiß ich noch, denn ich starrte ihn beim Warten in der Notaufnahme die ganze Zeit über an. Er war das einzig schöne in diesen Stunden.

Es hieß 130.000 Krebszellen pro 1 Bluttropfen würde ich in mir tragen. Eine unvorstellbare Menge. Es hieß auch, wenn ich nicht zum Arzt gegangen wäre, wäre ich in wenigen Wochen an inneren Blutungen und Organversagen gestorben. Wer konnte denn ahnen, dass eine allgemeine körperliche Ermüdung solche Ursachen hätte?! Es war die dritte Woche des ersten Lockdown und ich dachte es wäre einfach der allgemeine Bewegungsmangel.

Nachdem ich eines besseren belehrt wurde und mir nun bewusst war, dass mein Körper von unerwünschten Zellen okkupiert war, stellte ich meine mentale Einstellung auf Kampf: Mein Leben, mein Körper, meine Rechte! Und diese gschissenen Zellen hatten eindeutig kein Bleiberecht! Jetzt wo ich um ihre Anwesenheit wusste, war ihr letztes Stündlein geschlagen. Diese Einstellung, den Zellen keine Chance zu geben und darin zu vertrauen, dass ich stärker war, brachte mich jeden Tag gut durch die Krankheit und die teils sehr anstrengende Therapie.

Auch das offene drüber Reden und die vielen guten Gedanken meines Umfeldes, haben mir durch diese Zeit geholfen. Ich fühlte mich nie allein und war & bin dankbar für die Zuwendung eines jeden einzelnen Mitmenschen!

Eure Energie hat mich getragen und jeden Tag bestärkt.

Heute geht es mir wieder gut! Die letzten Knochenmarksbiopsien zeigen 0 Krebszellen an. Ein wenig hab ich noch vor mir, ehe ich komplett von der Chemo entbunden werde, aber das hüpf ich auf einem Bein daher.

Heute sage ich nochmals Danke! Danke euch!
Und Danke mir, dass ich mich fürs Leben entschieden habe!