365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

54 – Im Endspurt

Liebes Leukämietagebuch⁣,

ich bin im Endspurt!

Zum letzten Mal bin ich stationär im Wilhelminenspital

Es ist wieder nur ein kurzer Aufenthalt von diesmal 6 und nicht 5 Tagen, weil meine Nieren etwas beleidigt waren. Ansonsten alles wie immer: liebes Personal, kompetente Fachleute, schönes Zimmer, angenehme Atmosphäre.

Wahnsinn wie schnell die Zeit vergangen ist. Es ist Woche 45. Der Therapieplan war für 42 Wochen ausgelegt, aber ein Körper ist eben keine Maschine und manchmal musste die ein oder andere Behandlung, um ein paar Tage verschoben werden.⁣

Ich erinnere mich an das Liquorleck, was mir 10 Tage höllische Kopfschmerzen bereitete - das war gruselig. Und manchmal waren es einfach die schlechten Blutwerte, die eine Behandlung verzögerten. Alles in Allem bin ich aber sehr gut und stark da durchmarschiert und hab das meiste auch gut vertragen. Ich bin meinem Körper sehr dankbar, dass er das alles so gut mitgemacht hat und freue mich schon, wenn ich ihn mit einer Reha und regelmäßigen Sport belohnen werde können.⁣

Na dann: Auf in die letzte Runde!

Sonntag bin ich nach der letzten Therapie nach Hause gekehrt. Glücklich, aber total erledigt, brauchte ich ein paar Tage, um wieder Kräfte zu sammeln. Die letzte Einheit hatte es noch echt in sich. ⁣Ja, aber nun ist das gröbste wirklich überstanden und ich hätte jden Grund zu feiern.⁣

Es folgen regelmäßige Checks, noch in kürzeren Abständen, und in vier Woche die nächste Knochenmarksbiopsie. Bis dahin heißt es erholen, erholen, erholen. Die Biopsien werden dann im Abstand von 3 bis 3,5 Monaten durchgeführt. Die sogenannte Erhaltungstherapie startet ebenfalls in vier Wochen. Wer meint, ich habe alles hinter mir, der irrt: Ich stehe bei der Hälfte der kompletten Chemoherapie, wobei die zweite Hälfte „lediglich“ mit täglichen Pillen verabreicht wird und eben regelmäßige Tests bedarf. Bis ich den ganzen Dreck aus meinem Körper los bin, dauert es also noch ein bis eineinhalb Jahre.⁣

Ich darf langsam mit Sport und Leben anfangen.

Und bald sicherlich auch allmählich mit Arbeit. Ich freue mich wirklich schon auf meine Kolleg:innen und auch auf meine Kund:innen – ich gebs zu ich mache meine Arbeit auch sehr gern