365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

52 – Alles hat seinen Preis – Schmerztherapie

Die andere Seite der Medaille

Ich bin zwar Krebsfrei, aber die letzte Chemotherapie hat mich enorm geschwächt und meine Erholungsphase zieht sich hin. Tägliche Wachstumsspritzen sollen dem Knochenmark helfen zu produzieren, aber es will nicht. Ich bin schwach auf den Beinen und komme per pedes nur langsam ans Ziel. Die Schmerztherapie, zu den Nebenwirkungen der Spritzen, habe ich aber weitestgehend im Griff. Neun Tage nach meiner Heimkehr bin ich zum zweiten Mal in der Ambulanz, um meine Blutwerte zu checken. Diese sind weiterhin schlecht. Ich habe eine Blutarmut und soll weiterhin spritzen. Bevor ich heim gehe, bekomme ich noch eine Konserve Thrombozyten gespendet. Die vielen neuen, blauen Flecke schreien förmlich danach.

MITTWOCH

2 Tage später geht es wieder in die Ambulanz zum Testen der Blutwerte. Die Blutarmut besteht weiterhin, trotz täglicher Spritzen. Am Tag drauf soll ich wiederkommen, um Blutkonserven zu bekommen.

DONNERSTAG

Nach Empfang des frischen Blutes, gehe ich rauf zur Station. Tja, ich darf heut nicht mehr nach Hause. Mein Blutwerte sind so im Keller, dass ich stationär aufgenommen werde. Das macht mich fertig. Ich bin gern vorbereitet und das kommt plötzlich. Ich bekomme eine Zahnbürste und Zahnpasta und beziehe mein Zimmer – wenigstens bekomme ich wieder Zimmer Nummer 1. Es ist das schönste Zimmer auf der Station.

FREITAG

Nach dem Frühstück bringt mir eine liebe Freundin Gewand und alles was ich im Spital brauche. Bei diesem kleinen Spaziergang stelle ich fest, dass ich bereits bissl fitter auf den Beinen bin. Am Nachmittag bekomme ich nochmals zwei frische Blutkonserven gespendet. Jetzt muss auch nur noch das Knochenmark mitmachen und kaum, dass ich mich verseh, bin ich wieder fit unterwegs.

Am Nachmittag fängt das Knochenmark an mächtig zu produzieren.

JUCHUUU und AUUUUAAAA!

In meinem Rücken zieht es, als würde mir die Wirbelsäule herausgezogen werden. Ekelige Vorstellung und es ist auch ein ekelhafter Schmerz, aber he: Ich bin wenigstens im Spital und darf mich durch das Schmerzmitteldepot durchprobieren.

SAMSTAG

Die Nacht war eine Achterbahn: Alle zwei Stunden weckten mich die Rückenschmerzen, dann bekam ich Schmerzmittel, schlief ein und ca. zwei Stunden später das gleiche Spiel, die ganze Nacht, durchgehend. Morgens fühle ich mich aber relativ erholt. Das liegt wohl am frischen Blut und an den fleißigen Produktionen meines Knochenmarks.

Funfact: Als ich in den Spiegel schaute waren meine Haare um 4 mm gewachsen. Über Nacht habe ich einen Flaum auf dem Kopf bekommen, was mich zum Lachen bringt. Ob ich diesmal Blut von einem Menschen bekommen habe, der mit schnellem Haarwachstum gesegnet ist? Ich weiß es nicht, aber es ist witzig :)

Auch meine Blutwerte sehen allmählich besser aus: Ich habe wieder ein Immunsystem! Stark!

SONNTAG

Mir geht es schon weitaus besser als am Donnerstag, aber eh klar mit vorhandenem Immunsystem. Und wie es ausschaut, darf ich morgen früh wieder nach Hause.