365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

49 – 5 Tage Spital & 24-Stunden Chemo

TAG 1

Seit heute bin ich wieder für 5 Tage im Spital. Es steht mir eine 24-Stunden-Chemo mit stündlichen Harnkontrollen bevor – auch in der Nacht. Dieser Therapieverlauf ist mir bereits bekannt. Ich hatte ihn damals im Juli schon gut vertragen und durfte daher einen Tag früher nach Hause.

Im Moment geht es mir sehr gut.

In den letzten 2 Wochen sind die Blutwerte etwas Achterbahn gefahren: Blaue Flecke, viele rote Punkte auf den Extremitäten, dazu 10 Tage nahezu durchgehende Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Migräneanfälle. Klingt Arsch? War Arsch. Aber das hat sich u. a. dank der letzten Thrombozytenspende und Hometrainer wieder eingependelt und mich plagen heute weder Schmerzen noch Beschwerden. Ich fühle mich fit und stark für die kommende Chemo.

Das wird die vorletzte Therapieeinheit in diesem Jahr sein. Die Letzte gibt es dann über Silvester; wieder 5 Tage. Ich denke auch heuer bzw. gerade heuer werde ich zu Silvester nichts verpassen.

TAG 3

Dieses Mal gibt es wieder Freikarten für die Gefühlsachterbahn.


Gestern hat die Chemo ihren lauten, schweren Schlagbohrhammer rausgeholt und bretterte damit über mein emotionales Nervengeflecht. Innere Zerrissenheit, Plärrn ohne Grund und in Schüben und dazu das Gefühl ein Alb würde mir auf der Brust sitzen und mir die Luft zum Atmen nehmen. Tags wie nachts nahezu stündliche Hitzewallungen bedingt durch das Hormonimplantat und diesmal auch verstärkt durch die Chemo. Nachts muss ich mich dreimal umziehen, weil alles waschelnass ist. Anstrengend.

Das ganze Wasser kommt über den Tropf: etwa 8 Liter werden zur 24-Std-Chemo dazu gehängt, am zweiten Tag noch einmal soviel. Ich werde also durchgehen gegossen, damit das Gift auch wieder aus meinem Organismus rausgeschwemmt wird. Weil sich das Wasser u. a. in den Beinen sammelt, wird zwischendurch auch ein entwässerndes Mittel gespritzt.

Es nervt ugemein, die ganze Zeit, mit diesem Tropfständer umherlaufen zu müssen. Permanent bin ich angeschlossen und es gibt seither nur Katzenwäschen.


Es ist ein Wahnsinn was Körper und Geist mitmachen müssen und nach wie vor finde ich es faszinierend, wie anpassungsfähig doch unsere Vehikel sind.

Jede Nebenwirkung geht mal vorbei und dann ist wieder Erholung angesagt und ich darf heim. Darauf freue ich mich schon sehr.

Heute fühle ich mich auch wieder mehr in meiner Mitte. Zwei Tage noch. Die schaff ich auch noch.

Es folgt eine Woche Pause.

Der zweite Akt

Nach der Woche Pause bin ich wieder 5 Tage im Spital. Das Prozedere ist dabei eigentlich so wie das letzte Mal: Mir wird eine 24-Stunden-Chemo dargereicht und dazu gibt es 5,5 Liter Flüssigkeit, um die Chemo auch wieder aus dem Körper zu spülen. Nach dem letzten Mal wissen die Ärzte nun wie mein Körper reagiert und die stündlichen Harnproben, auch während der Nacht, bleiben mir erspart. Auch mental bin ich diesmal besser auf die 5 Tage vorbereitet und so blieb mir eine emotionale Achterbahn bisher erspart. Auf Holz geklopft, dass es so bleibt.

Neu hinzugekommen sind dafür kribbelige bis taube Hände sowie krampfende Zehe. Außerdem seltsamste Krämpfe im Schienbein – hätte nie gedacht, dass das dort möglich ist. Auch die Nase kribbelt ab und an. Es kommt und geht, so wie auch die Übelkeit und die Hitzewallungen.

Ansonsten aber fühle ich mich gut. Klar, ich bin, ehrlich gesagt, ziemlich erledigt vom Gift, aber mental fühle ich mich dennoch sehr stabil, zufrieden und stark. Lange Gespräche mit meinen Lieben lenken mich gut ab, erhellen das graue Wetter und sind immer willkommen :)