365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

48 – 6 Tage Spital, 3 Mal Chemo

Liebes Leukämietagebuch

Ich bin im nächsten Therapieschritt angelangt: 6 Tage Spital, 3 Mal Chemo

Die Anzahl meiner Neutrophile (Immunzellen, eine Art der weißen Blutkörperchen; Leukozyten) haben sich durch die Wachstumsspritzen, innerhalb einer Woche, von 600 auf 32.000 pro Bluttropfen vermehrt und gestern wurde mir die erste Chemo verabreicht. Die Schmerzen haben sich also gelohnt. Nebenwirkungen der Chemo spüre ich derweil keine. Auch die vier Stockwerke hier im Haus – von dem Snackautomaten im Untergeschoss bis nach oben in die Station – habe ich mit FFP2-Maske relativ schnell umgesetzt – ich habe wohl meine Superkräfte wieder oder vielleicht habe ich auch einfach nur zuviel Kaffee getrunken :D⠀

Heute/Mittwoch ist Erholungstag, morgen bekomme ich eine weitere Chemo. Die letzte Chemo dieser Runde bekomme ich Samstag und evtl. geht es Sonntag schon nach Hause. ⠀

Mein Spitalzimmer ist, wie gewohnt, geräumig und mit schönem Ausblick. Das Essensmenü ist mir schon zu vertraut, als dass ich Appetit darauf hätte. Über den Tellerrand schauen und es mit neuen Rezepten probieren, wäre vielleicht eine Maßnahme für die Anstaltsküche. ⠀

Aus meinem Frühstück konnte ich heute das spannendste rausholen (Kipferl gibt’s nur Mittwochs, da heißt es zugreifen), das Mittagessen bot leider wenig Spielraum und der Snackautomat ist gefüllt mit Süßigkeiten und nicht vegetarischen Sandwiches. Nur habe ich seit Mai, bedingt durch die Chemotherapie, keinen Appetit mehr auf Zucker oder Schoko. Davor war ich eine Schokonaschkatze – ohne Schoko hatte das Leben keinen Sinn!⠀

So ändern sich die Dinge und auch Fleisch kann ich grad nicht anschauen. Und das ist wohl ein viel beobachtetes Phänomen, dass sich Geschmäcker, durch Chemotherapie, ändern. ⠀

Aber es bleibt spannend, denn ein neues Ticket für die Heißhungerachterbahn habe ich auch schon bekommen. Ein frisches Zoladex-Implantat wurde mir unter die Haut gesetzt. Das bekomme ich bereits seit Anbeginn meiner Diagnose. Es bewirkt quasi eine künstliche Menopause – mit all ihren Nebenwirkungen wie Heißhungerattacken und Hitzewallungen – und soll meine Eierstöcke vor den giftigen Chemomitteln schützen. Die spätere Fruchtbarkeit nach Beendigung der Chemotherapie sei dahingestellt.⠀

Ansonsten gestaltet sich mein Spitalaufenthalt angenehm: Am ersten Abend bekam ich Besuch von einer lieben Freundin und das Personal ist einfach superlieb. Ich fühle mich wohl und gut aufgehoben.⠀
So kann es weitergehen.⠀