365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

47 – Spitalaufenthalt verschiebt sich

Liebes Leukämietagebuch⠀

Zurück auf der Achterbahn zwischen Hitzewallungen und Nebenwirkungen ⠀

Eigentlich wäre ich mitten in meinem 5-Tages-Spitalaufenthalt – Dienstag bis Sonntag –, aber der Aufenthalt wurde auf nächste Woche verschoben. Grund: die Blutwerte passen nicht, um meinem Körper eine erneute Chemo zumuten zu können. Jetzt eine Chemo würde mehr schaden, als nutzen.

Warum ist das so?

Mein Knochenmark hat einfach schon viel Gift gesehen und braucht Unterstützung von außen, um die notwendigen Zellen zu produzieren. Das bedeutet: Ich muss mich wieder mit dem Mittel Zarzio spritzen, einem Wachstumsfaktor für weiße Blutkörperchen. Ich dünge damit quasi mein Knochenmark.⠀
Natürlich gibt es auch hier diverse Nebenwirkungen. Was ich spüre sind Appetitlosigkeit und starke Schmerzen im Rücken auf Nierenhöhe. Dort zieht es teilweise so stark, dass ich weder sitzen noch liegen kann. Ich muss dann Sachen im Stehen machen. Eines weiß ich durch diesen ziehenden Schmerz: Das Knochenmark produziert gerade fleißig. ⠀

Gegen die Schmerzen soll Paracetamol helfen und ich werfe es mir dann auch 1g-weise ein (wie vom Arzt empfohlen). Meistens kommt die Erlösung nach 2g und eine halbe Stunde später. Die Maximaldosis von Paracetamol, ehe es auf die Leber geht, sind übrigens 4g täglich (also 8 500mg Tabletten). ⠀
Gestern Abend aber hatte ich für 2 Stunden Ruhe, ehe es dann wieder anfing zu ziehen. Diesmal weniger stark und der Schmerz kam nur im Sitzen, aber he: Das Knochenmark produziert eifrig und nächste Woche sollten die Werte wieder passen. Das ist wohl der Preis.⠀

Alles in allem geht’s mir aber gut! Wenn man alles objektiv betrachtet bin ich auf einem sehr guten Weg mit sehr hohen Chancen – auch ohne Transplantation – wieder zu gesunden und darauf freue ich mich. Ich bin ja quasi auf den letzten 100 Metern und wer kennts nicht: Grad nach einem langen Lauf heißt es auf den letzten 100 Metern nochmals die Zähne zusammenzubeißen und alles zu geben.⠀

Die nächsten Tage bis Montag muss ich mich noch spritzen und mich durch diese Schmerzachterbahn manövrieren und dann werde ich mit der nächsten Chemo belohnt. Yay.⠀

An dem Sarkasmus lässt sich ablesen, dass ich wirklich echt keinen Bock mehr auf den Schaß hab. Aber ja… 100 Meter noch! Das pack ich auch noch.⠀

Einmal alles ausschimpfen und weiter gehts! Ich freue mich auf keine Pulver mehr schlucken müssen, neue Fitness und ein gesundes und langes Leben!