365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

44 – 2 Tage Spital

Liebes Leukämietagebuch⁣

Ich bin für einen Kurzaufenthalt von einer Nacht im Spital.

Viel kann mich nicht erwarten, denke ich mir. Eine Knochenmarksbiopsie, irgendwelche Pulver und kleine Gaben Chemo. Wahrscheinlich.⁣

Blöd nur wenn die Anästhesie bei der Knochenmarksbiopsie zu gering ausfällt bzw. der Körper schon zu sehr an das Mittel gewöhnt ist und man als PatientIn doch viel mehr mitbekommt als einem lieb ist.

Innerlich schrie ich vor Schmerz, draußen in der realen Welt vernahm man leider lediglich nur ein Jammern.

Dizzy genug, um sich nicht mitteilen zu können, aber nicht betäubt genug, um den Schmerz nicht zu spüren. Nach dem Schock schlief ich erstmal meinen Rausch aus.

2 Tage Spital also. 2 intensive Tage.

Der Schock ist dann wohl meine neue Trophäe für meine innere Traumavitrine. Kann sich gleich neben das Bestrahlungstrauma und das Liquorlecktrauma reihen. Aua!

Den Schock versuche ich hinter mir zu lassen und nach vorn zu schauen. Viel kommt ja nicht mehr. Mit der Menge Kortison, das ich die nächsten 14 Tage einnehmen werde, transformiere ich bald sicher schnell wieder zu einem aufgedunsenen Mondgesicht. Appetitsteigernd wirkt es dazumal und meinen Schlaf raubt es mir auch. Ein kurzer Spitalaufenthalt mit längeren, mühsamen Nebeneffekten also.

Gut, aber Jammern bringt nix. Betrachte ich es mit Humor werden es sicher witzige Tage zuhause mit Heißhungerattacken und übermäßigen Essensbestellungen. So kommen dann vielleicht auch die vom Krebs zerfressenen Pfunde wieder zurück.

Die weitere Behandlung dieser Therapiephase erfolgt größenteil zuhause:
14 Tage nehme ich verdammt viel Cortison in Tablettenform (100 mg am Tag), spritze mir wieder den Dünger für den Wachstum der Leukozyten und an Tag 7 hole ich mir eine Gabe Chemotherapie via Tagesklinik. Am Tag 14 bin ich wieder im Spital – abhängig von meinem Zustand, für eine Nacht oder auch nur für den einen Tag.