365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

43 – 5 Tage Spital

Liebes Leukämietagebuch

Es ist Halbzeit in meinem 5-Tägigen Spitalaufenthalt

Es läuft alles nach Plan und die Werte stimmen. Nichtsdestotrotz ist es sehr anstrengend für Körper und Geist.⠀

Gestern endete die 24-Stunden-Chemo und bald drauf bekam ich eine kleinere 1,5 stündige angehängt. Zudem bekam ich ein neues Menopause-Implantat, welches meine Eierstöcke vor der Chemo schützen soll.⠀
Diese heftige Mischung an Substanzen reagierte in meinem Körper mit einem Stimmungstief und einer ungewollten Achterbahnfahrt der Emotionen. Es war soweit: Sowohl die Chemo, als auch die Hormone waren im Hirn angekommen und diese spielten nun munter Ziehharmonika mit meinen Gefühlen. ⠀

Was ging da ab? Dank der frischen Hormonbombe wurde in meinem Hirn gerade mein Hypothalamus kleiner und größer gezerrt. Ein ganz normaler Vorgang bei jeder PMS. Wenn man weiß, dass im Hypothalamus Gefühle und Erinnerungen gespeichert werden, wundert einen nicht mehr, warum Frauen zu so starken Stimmungsschwankungen neigen. Bei depressiv Erkrankten verhält es sich übrigens ähnlich: Da ist der Hypothalamus deutlich kleiner, als bei Gesunden. Ja und dank der Chemo war alles nochmals aufgekratzter und sensibler.⠀

Ich wusste was vorgeht, aber ich konnte nichts an der Sache ändern. Hormonell und der Chemo ausgeliefert und dazu noch komplett übermüdet. Loslassen, zulassen, plärrn, lachen, schluchzen, plärrn – willkommen in meinem Anstaltsleben!⠀

Ich nahm es mit Humor und dem Gedanken: Fuck the system! Its just your hypothalamus. Alsbald sperrte ich das Tageslicht aus, drehte mich um und versuchte zu schlafen.⠀

Neuer Tag, neue Chancen: Mir ist noch immer übel von der Achterbahn bzw. den Substanzen und mindestens einmal die Stunde überkommt mich eine Hitzewallung, aber he, der Doc meint: Alles läuft super und Freitag darf ich heim.