365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

36 – Mein Zuhause: eine gute Medizin

Liebes Leukämietagebuch

Finally. Me at home. All alone.⁣

Lange still sitzen kann ich irgendwie nicht. Der Drang die Wohnung aufzuräumen ist groß. Ein chinesisches Sprichwort besagt: Räumst du deine Wohnung auf, räumst du deine Seele auf.⁣ So gebe ich mich diesem Drang hin und denke, dass in meinem Hinterstübchen einiges sortiert wird. Vieles sicherlich auch, das mir jetzt nicht aktiv bewusst ist.⁣ Es tut auf jeden Fall gut, das Aufräumen.⁣

Und es tut gut, dass die Nebenwirkungen er letzten Chemo langsam abklingen. Der Magen ist zwar morgens noch etwas flau, aber ich habe schon mehr Energie als die letzten Tage⁣.

Ich genieße die Ruhe Zuhause, gewöhne mich wieder ans intuitive Essen und so langsam klappt auch das Schlafen besser. Meine Schwester hat mir viele Sachen erledigt, die ich selbst nicht machen darf, wie zum Beispiel alle Erd- und Säuberungsarbeiten auf den Balkonen. Diese sind nun zwei wunderbare Oasen.

Des Weiteren muss ich eigentlich nur wenige Dinge beachten: Maske und Handschuhe soll ich beim Gemüse waschen, beim Katzenklo reinigen, beim Umgang mit rohem Fleisch und beim Putzen tragen. Besuch soll ich nur mit Maske empfangen. Draußen in der Welt soll ich Abstand halten, wie eh grad jeder. Ansonsten geht alles normal und ich darf theoretisch auch alles essen. Lediglich mit Sushi sollte ich vielleicht noch warten und rohes Fleisch geht auch nicht. Letzteres schränkt mich bei meinem wenigen Fleischkonsum eh nicht ein und solange ich mein Eidotter beim Spiegelei weich essen darf, ist alles gut.

Sonntag kommt auch schon mein Catsitter und bringt mir mein Doppelpack Liebe zurück. Mit den zwei Rackern ist das Zuhauseglück dann perfekt!