365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

34 – Bald Zuhause

Liebes Leukämietagebuch

Allmählich entschwinde ich dem Spitalzimmer

Die letzten zwei Tage Ausgang waren pure Freude und eine sehr gute Medizin. Mit jedem Tag Ausgang schlafe ich besser.⁣

Heute allerdings war ein anstrengender Tag. Seit gestern hatte ich einen Venenzugang am Handrücken, gleich wo die Hand zum Unterarm knickt. Gestern hat auch alles tadellos funktioniert. Heute jedoch war es die Hölle.

Vor und nach den Antibiotika wird der Zugang mit einer Spritze Kochsalzlösung gespült und das waren diesmal Schmerzen, die mich ziemlich verstört haben und mir noch länger auf der Seele sitzen werden. Die Venen sind an der Hand natürlich viel dünner als in der Armbeuge oder gar beim Schlüsselbein und vielleicht war der Spülgang von der Schwester zu schnell, vielleicht aber ist meine Vene einfach auch gereizt vom Antibiotikum - wer weiß das schon. Das blöde war, dass ich gleich zwei mal so circa 7 Sekunden diesen Schmerz aushalten musste.⁣

Nachdem der Spuk vorbei war, bat ich den Zugang zu entfernen. Als das vollendet war nahm ich die Beine in die Hand und wollte nur so schnell wie möglich raus. Ich hatte Ausgang und meine Schwester an meiner Seite. Sie spendete Trost und wir fuhren weit weit weg von diesem kleinen Horror.⁣

Als ich heut Abend retour kam, wurde mir ein Zugang auf dem rechten Unterarm gelegt. Dieser funktioniert gut und ist auch die Vorbereitung für die morgige und letzte Chemoeinheit und die Narkose für die Knochenmarkentnahme. Morgen werde ich kein Ausgang haben, aber Besuch von meiner Schwester und Mittwoch darf ich dann endlich ganz nach Hause. ⁣

Viel sollte jetzt nicht mehr passieren. Hab jetzt schon alles durch, was an Nebenwirkungen, Schmerzen, Eingriffen hätte passieren können. Ich hab mir mein Zuhause und den Abstand jetzt mehr als verdient!⁣