365 TAGE ZWISCHEN LEUKÄMIE, ACHTERBAHN UND SONNENSCHEIN

14 – Ein langer Tag

Liebes Leukämietagebuch…

Ein Tag, als hätte er gefühlt 70 Stunden

Meine Seele kommt heut wieder nur schwer hinterher und alarmiert mich mit einem Migräneanfall noch vor dem Frühstück. Extreme Lichtempfindlichkeit, taube Finger, danach 3 Stunden Warten vor dem OP in einem verdammt gut ausgeleuchteten Raum. Unter der Decke verkriechen, warten, warten, mal rausschauen, feststellen, dass eh keiner da ist und sich wieder verkriechen und warten.

Mann, das nervt!

Dann endlich geht es in den OP. Das neue Portsystem wird implantiert. Ein halbstündiger Eingriff mit lokaler Anästhesie und dem Spritzenpiks als quasi einzigen Schmerz. Man spürt zwar, wenn Druck ausgeübt wird, aber es tut nicht weh.

 

Ich war schon vor dem Eingriff K.O... Aber nun ist es ja überstanden.

Das hab ich gut gemacht. Wieder tapfer durchgestanden. Ich kann stolz auf mich sein.

Mein Körper ist so tough und macht so vieles mit. Ich bin dankbar, dass er so gut mitspielt.

 

Wieder bin ich etwas gewachsen. Wieder ein Stück in die neue Lebenssituation hineingewachsen. Wieder etwas über mich hinaus gewachsen. Ich atme durch und danke mir selbst. Mit jeder Zelle meines Körpers versuche ich mich selbst in den Arm zu nehmen. Klasse gemacht!

Und jetzt entspann dich.

Man muss sich immer gut zureden. Heute besonders, aber eigentlich jeden Tag. Das machen wir viel zu selten. Meistens sind wir kritisch mit uns, fordern immer mehr, nie ist was wir tun genug. Aber dabei stimmt das doch gar nicht. Wir sind gut. Wir leisten so viel. Wie geben so viel, ertragen soviel – und dennoch fordern wir mehr von uns selbst. Stopp! Einmal kurz anhalten, innehalten und durchatmen. Wir, jeder für sich – macht das echt gut!

Wir sind genug.